Anica Blagaj und Franco Melis; 14. September bis zum 5. Oktober

Anica Blagaj und Franco Melis arbeiten vom 11.8. bis zum 13.9. im Künstlerhaus von haus34A.

Die Präsentation der Arbeiten findet am Sonntag den 14. September um 15.30 Uhr in haus34A statt.
Die Ausstellung ist dann noch bis zum 5. Oktober zu sehen.

anica franco

UN RUHE

„Ist die Unruhe die Mutter des sinnlosen Tuns oder das sinnlose Tun der Ursprung der Unruhe?“ ( Herr Koluna ). 

Das Künstlerhaus wird diesen Monat von zwei Künstlern aus Köln bewohnt: Anica Blagaj und Franco Melis. Die Beiden arbeiten in Bad Bentheim an einem Künstlerbuch.

Dabei beschäftigen sie sich mit der Frage, inwieweit es zu einer intuitiven Korrespondenz kommt.

Was passiert wenn man in Bad Bentheim einen bestimmten Ort aufsucht, sich dort ein paar Stunden aufhält und die Atmosphäre auf sich wirken lässt? Und wenn man im Anschluss ins Atelier geht und schaut, welche Form und Richtung die künstlerische Arbeit nimmt?

Nach den ersten Tagen war Franco Melis (1962) Theatermacher und Autor aus Köln ganz überrascht, dass sich bei ihm eine fiktive Figur gemeldet hat, mit der er zuletzt 2006 beschäftigt war. Wodurch es dazu kam, darüber  lässt sich rätseln. Die Frage war, wie damit umgehen? Warum nicht hier in Bad Bentheim, zu dieser Figur – Herrn Koluna mit seinen komplexen Gedankengängen – neue Geschichten entstehen lassen?

Anica Blagaj (1967), Künstlerin aus Köln, stellte sich damit die Frage, wie eine zeichnerische Entsprechung dazu aussehen könnte. Eine wichtige Charaktereigenschaft dieser Figur ist die Komplexität seines Denkens, die sich wiederum in bestimmten Aspekten von Blagaj’s Arbeit wiederfindet.

Von der Technik sehr aufwändig, hat sie sich für Formate entschieden, die wie Ausschnitte ihrer größeren Zeichnungen erscheinen.

Der Aufenthalt von Anica Blagaj und Franco Melis ist großzügig ermöglicht von der Bürgerstiftung Bad Bentheim.

Anica Blagaj Künstlerbuch 1.1

Anica Blagaj, Zeichnung für Künstlerbuch 1, 2014

 

Herr Koluna fragte sich, wie es ihm wohl erginge, wenn er den ganzen Tag regungslos an einem viel besuchten Platz säße. Und da er ein Mann der Tat war, setzte er sich auf eine Bank, die in der Nähe eines Springbrunnens stand. Die ersten zwanzig Minuten fühlten sich sehr vertraut an – man sitzt – sieht das Wasser springen – ein paar Menschen – das Kommen, das Gehen – bemerkt Gangarten, verschiedene Sprachen und den unterschiedlichen Rhythmus von Kindern, Erwachsenen und Hunden. Koluna verspürte das Bedürfnis sich auf eine andere Bank zu setzen. „Nicht nachgeben“, dachte er und blieb weitere zwanzig Minuten sitzen. Er wurde zunehmend unruhig, dann müde, dann gelangweilt, dann warf er sich vor sinnlose Dinge zu tun, um interessant zu erscheinen. „ Nicht nachgeben“, dachte er – blieb sitzen und war erstaunt, wie anstrengend Verweilen war.

 Zwei Stunden saß er jetzt schon auf der Bank. Niemandem war das aufgefallen, denn keiner blieb länger als zwanzig Minuten. Koluna hatte jetzt schon unzählige Menschen vorbeigehen sehen und eine Sinnlosigkeit in diesem gemeinsamen Treiben wahrgenommen. Die Sinnlosigkeit immer weiter zu gehen und die Sinnlosigkeit an einem Punkt zu verharren. Und er fragte sich: „ Ist die Unruhe die Mutter des sinnlosen Tuns – oder das sinnlose Tun der Ursprung der Unruhe?“ Es bleibt einfach viel Zeit übrig, wenn die zwangsverordneten, sinnstiftenden Handlungen, wie essen, trinken, atmen, schlafen, bauen, wärmen, kleiden, kochen, säen, ernten,…..erfüllt sind.
Und im Nichtstun, in der Pause, beim Durchatmen meldet sich unwillkürlich der Geist: „Und womit soll ich mich beschäftigen?“

Franco Melis, Textauszug, 2014

Anica Blagaj Künstlerbuch 1.2 Anica Blagaj, Zeichnung für Künstlerbuch 2, 2014

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